
Was macht das mit einem, der mit 44 Jahren die Diagnose Morbus Parkinson bekommt – eine Krankheit die eigentlich was für alte Männer mit 88 ist?
- Michael Decker
- 4. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Den ersten konkreten Hinweis auf eine mögliche Parkinson-Erkrankung gab mir eine Physiotherapeutin. Deren Schwester arbeitete in der Neurologischen Abteilung eines Berliner Krankenhauses. Mit diesem persönlichen Wissen fragte mich die Physio plötzlich und unvermittelt bei der Lockerung der Nackenmuskulatur, warum mein rechter Unterarm zittern würde? Das sollte ich vielleicht mal auf Parkinson hin abklopfen lassen, empfahl sie mir mit dem Hinweis auf ihre Schwester vom Fach. Mich traf der Schlag. An Morbus Parkinson denkt ja auch erstmal niemand. Warum auch? Ich folgte ihrem Rat und ließ mich Ende Februar 2013 in der Neurologie des Vivantes in Berlin-Spandau einweisen. Nach zahlreichen Tests und Untersuchungen stand dann im März 2013 fest, dass ich Morbus Parkinson bzw. ein „idiopathisches Parkinson Syndrom“ habe.
Besser als der Altersdurchschnitt
Damals war ich 44 Jahre alt. Das ist eigentlich kein Alter für Parkinson. Aber was ist dann das richtige Alter? Das gibt es nicht, auch wenn Parkinson gemeinhin als Krankheit älterer und alter Männer gilt. Mohammed Ali (1942-2016), Papst Johannes Paul II.(1920-2005) werden oft mit Parkinson in Verbindung gebracht. In Deutschland zählen zum Beispiel der Radio- und Fernsehmoderator Frank Elstner (Jahrgang 1942), der Kabarettist und Schauspieler Ottfried Fischer (Jahrgang 1953), der Komiker Markus Maria Profittlich (Jahrgang 1960) und die Schlagersängerin Ute Freudenberg (Jahrgang 1956) zu den bekannteren Betroffenen, die ihre Parkinson-Erkrankung öffentlich gemacht haben. Zum Zeitpunkt ihrer Diagnose waren sie allesamt 50 Jahre und älter. Damit konnte ich wenigstens den Altersdurchschnitt ein wenig senken. Das ist ja schon mal etwas, dachte ich.
Alle Symptome auf einmal
Die ersten beiden Tage und Nächte nach der Diagnose Morbus Parkinson im März 2013 habe ich durchgehend und ohne Unterbrechung im Internet recherchiert. Nein, recherchiert ist zu viel gesagt. Ich habe vielmehr alles gelesen, was mir untergekommen ist. Ergebnis war, dass ich praktisch alle Ausprägungen und Spezifizierungen sowie sämtliche Symptome, Nebenwirkungen der gängigen Parkinson-Medikamente und der sogenannten Antagonisten an mir festgestellt habe, in Eigendiagnose natürlich. Als mir das klar wurde, habe ich mein iPad buchstäblich an die Wand geworfen. Und ich habe mich in diesem Moment dazu entschlossen, mich nicht verrückt machen zu lassen bzw. das zumindest zu versuchen und meinen eigenen Weg des Widerstands zu finden und zu gehen. Ich habe die schulmedizinische Medikation akzeptiert, mich aber gleichzeitig auf die Suche nach anderen Therapieformen gemacht. So bin ich auch zum Trekking in Nepal gekommen, was mir aber zur damaligen Zeit noch nicht klar war.
Nicht „Warum gerade ich?“, sondern „Was denn sonst?!“
Die Frage, warum gerade ich mit 44 Jahren an Parkinson erkrankt bin, mag naheliegend erscheinen. Alle Betroffenen, mit denen ich mich unterhalten habe und noch weiter austausche, gehen dieser Frage lange Zeit nach. Ich nicht. Denn die Frage, was genau den Parkinson ausgelöst hat, lässt sich in den allermeisten Fällen nicht befriedigend beantworten. Es sei denn, dass die Erkrankungen in der Familiengeschichte auszumachen und genetisch nachweisbar sind. Für mich war die „Familien-Anamnese leer“, wie es dann immer so schön doppeldeutig heißt. Als wäre es besser, wenn sie „voll“ wäre und Parkinson bereits seit Generationen bekannt und weitervererbt worden. Statt der Frage nach dem „Warum ich?“ halte ich die Frage „Was denn sonst?“ bis heute für viel interessanter. Was wäre wohl aus mir geworden ohne Parkinson? Wie wäre mein Leben weiter verlaufen? Aber das ist eine andere Geschichte.



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