Gutes Neues, Siegfried. Und einen schönen Lebensabend.
- Michael Decker
- 3. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Jan.
Ich habe mich Ende 2025 mit einem ehemaligen Arbeitskollegen getroffen. Aber ich hätte es besser gelassen. Siegfried, so soll er hier heißen, und ich haben über zehn Jahre bei einer Berliner Kommunikationsagentur gearbeitet. Wir hatten meist unterschiedliche Kunden, aber denselben kleinwüchsigen Chef mit einer großen narzistischen Persönlichkeitsstörung. Er schikanierte anfangs Siegfried und später mich.
Bereits im Oktober 2025 hatte mich Siegfried angemailt. Er habe mich über meinen Blog www.man-mit-parkinson.de gefunden und regte ein Treffen an. Nach über zehn Jahren. Mich hat das erfreut. Ich dachte, wir hätten uns was zu erzählen nach so langer Zeit. Und ich dachte echt, dass er etwas dazugelernt und sich weiter entwickelt hätte.
Ich hätte es besser wissen müssen. Unser Treffen dauerte rund eine Stunde. Lange 60 Minuten. Beendet war es jedoch schon nach der Hälfte. Siegfried erzählte viel, sagte aber nichts. Und fragte noch viel weniger. Mit Mühe und Not erinnere ich eineinhalb Fragen, die mir Siegfried stellte:
Ich berichtete ihm von einer weiteren Kollegin in Hamburg, die um 2021 herum ebenfalls an Morbus Parkinson erkrankt sei wie ich bereits 2013. Das allein hätte ja normal schon ausgereicht für eine Nachfrage. Oder für ein kurzes Zeichen von Mitgefühl. Aber Siegfried ist eben nicht normal. Er fragte in knappen Worten nur, ob die besagte Kollegin denn die Arbeitszeit reduziert habe?
Die andere Frage, die mir Siegfried stellte, war gar keine Frage. Es war vielmehr eine rein rhetorisch eine Steilvorlage, die sich Siegfried selbst gegeben hat: Ich hätte zu Beginn meines Blogs geschrieben, dass mir das Wandern im Himalaya auf über 5.000 Meter so viel Lebensenergie bringen würde. Für ihn sei das nichts mit seiner Höhenangst.
Siegfried wollte überhaupt keine Frage stellen. Er wollte ja auch keine Antworten. Ihm ging es einzig und allein um die Bestätigung, dass es ihm in den vergangenen zehn Jahren gut und besser ergangen ist als mir mit der Diagnose Morbus Parkinson. Solche Ränkespielchen hatte er damals schon gespielt, der arme Wicht. Da hat er nichts dazu gelernt in den vergangenen Jahren.
Am Morgen nach unserem Wiedersehen habe ich kurz gedacht, Siegfried eine Mail zu schicken mit der Nachfrage, ob ihm vielleicht was aufgefallen sei während oder nach unserem Wiedersehen? Das habe ich gelassen. Es hätte nichts gebracht.
Es gibt zu viele Siegfriede und Siegfriederinnen heute. Euch allen wünsche ich einen schönen Lebensabend.




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